Phaenomenale 2013

Phaenomenale 2013
Science & Art Festival

Jeder Mensch
ist ein Erfinder
12.–15.09.2013

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Jeder Mensch ist ein Erfinder

Der Erfindungsgeist ist ein Wesenszug des Menschen, der ihn in der Evolution weit voran gebracht hat. Sein Einfallsreichtum, seine handwerklichen Fertigkeiten und seine Fähigkeit, Probleme zu lösen, heben den Menschen unter den anderen Lebewesen hervor. Und hätte es den Menschen nicht gegeben, hätte er ihn erfunden.

Es sind vor allem zwei Tendenzen, die das Entstehen von Erfindungen in den letzten Jahren wesentlich verändert haben. Die eine basiert auf dem Internet, das neue Wege der Kommunikation eröffnet. Es ermöglicht den Menschen, sich mit Personen, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten, auf Plattformen wie z.B. die von Arduino austauschen. User aus den entlegensten Teilen der Welt können so gemeinsam Problemstellungen behandeln. Einigen wenigen Softwareentwicklern ist es in der Tat gelungen durch ihre Erfindungen die Kommunikationswege zwischen den Menschen grundlegend zu verändern und damit auch politisch wirksam zu sein (s. Demokratiebewegungen in den arabischen Staaten).

Die andere Tendenz hängt mit einem veränderten Demokratieverständnis, einem gesteigerten Selbstbewusstsein zusammen. Menschen nehmen Dinge immer mehr selbst in die Hand. Erfindungen müssen nicht durch Forschungsaufträge abgesichert und finanziert sein. Jeder kann auf den unterschiedlichsten Gebieten Ideen in die Praxis umsetzen. Dieses Denken korrespondiert mit der demokratischen Vorstellung, an allen wichtigen gesellschaftlichen Fragen zu partizipieren. Sie kommt in Formen der Selbstorganisation und des Self-Branding zum Ausdruck. Aus dem mündigen ist ein erfinderischer Bürger geworden.

Der Titel der Festivals spielt auf den berühmten Satz von Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“ an. Im Zusammenhang mit seiner Idee der sozialen Plastik rief Beuys dazu auf, kreativ zu werden, kulturell zu gestalten und Kunst zu produzieren. Mit ähnlicher Zielsetzung gründete Beuys auf der documenta 5 ein Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung. Mit der Verschiebung von Künstler auf Erfinder wird eine Ausweitung dieser Aussage auf den technisch-naturwissenschaftlichen Bereich markiert. Der Wunsch nach direkter Beteiligung am politischen Geschehen (z. B. durch die spanische Graswurzelbewegung „¡Demokratia real ya!“) ist bis heute nicht verstummt. Begleitet wird dieses Phänomen von einem Misstrauen an Großorganisationen.

Veranstalter

Kulturwerk Wolfsburg


phaeno


Kunstverein Wolfsburg


Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS)

Eröffnet wird das Festival am 12. September bereits um 18.00 Uhr mit einem Festakt im Gartensaal im Schloss Wolfsburg. Dort wird auch der Preisträger des Social Media Art Award bekannt gegeben. Diesen Preis vergibt das Science & Art-Festival Phaenomenale erstmals, dotiert ist er mit 10.000 Euro. Die Arbeiten des Gewinners sowie der Nominierten sind im Anschluss an die Eröffnung im „Phaenomenale Center“ zu sehen. Auf der Shortlist stehen vier Arbeiten:

„Default to public“ von Jens Wunderling bringt Twitter-Texte aus der Pseudo-Privatheit der Smartphones in den öffentlichen Raum. „ACrowdedApocalypse“, von IOCOSE läßt die Grenzen zwischen Politik, Verschwörungstheorien und kritischem Zynismus verschwinden. Karen Eliot ist ein kollektives Pseudonym um ein gemeinsames Werk zu kreieren, das schließlich keiner einzelnen Person mehr zuzuordnen ist. „Burn Babe burn – Glamorous Austerity“ entstand in Kooperation mit dem Online-Projekt „ArtProtesters“ aus Portugal und vernetzt Künstler, um die unbefriedigende Situation der portugiesischen Kulturszene anzuprangern.


de:bug arte CREATIVE
ein sensomatic design